Das Yijing: Das Wandlungsgeschehen in 64 Zeichenbildern

Das Yijing gehört zu den ältesten und einflussreichsten Werken der antiken chinesischen Literatur. Das Besondere des Yijing sind seine 64 Zeichenbilder, die aus Linien bestehen. In den verschiedenen Zeichenbildern soll sich, dem philosophischen Verständnis nach, das Wandlungsgeschehen der Welt ausdrücken.

Ältere Vorstellungen sprechen den Zeichen eine besondere Wirkkraft zu, die den Naturkräften (Himmel, Erde, Donner, Wind, Wasser, Feuer, See und Berg) nachempfunden ist. Ausgehend von der spezifischen Wirk- oder Naturkraft, die in den Zeichen Gestalt annimmt, lässt sich ihre Bedeutung und ihr Ethos –  ihre Eignung – bestimmen. 

„Die Wandlungen umfassen den Weg des Himmels, den Weg des Menschen und den Weg der Erde.“

Das Ethos der Erde: Offenheit und Aufnahmebereitschaft

In dem zweiten Zeichen, Kūn, soll sich die Wirkkraft der Erde ausdrücken. Das Zeichen Kūn besteht aus sechs offenen Linien, in deren Gestalt Weite und Aufnahmebereitschaft zum Ausdruck kommt. Der Überlieferung nach werden durch die aufnehmende Kraft der Erde die Lebewesen geboren.

In dem Sinnbild der Erde zeigt sich zugleich eine besondere Haltung, die für mich wesentlich mit Offenheit, Unvoreingenommenheit und Wandlungsfähigkeit verbunden ist. Nur dadurch, dass die Erde uneingeschränkt offen ist, kann sie den vielgestaltigen Lebewesen einen Raum geben und ihnen in das Dasein verhelfen.

Das Potential der Wandlung im Sinnbild der Erde 

„Wandlung“ im Sinne des Yijing verstehe ich als ein Sinnbild für die vielfältigen Veränderungen, die sich kontinuierlich in allen Bereichen unseres Lebens ereignen und uns herausfordern. Dabei birgt jede Veränderung ein bestimmtes Potential in sich.

Die Kraft und Dynamik dieses Potenzials können wir entdecken und für unsere eigene Entwicklung einsetzen. Durch Offenheit und Aufnahmebereitschaft den unterschiedlichen Aspekten eines Entwicklungspotentials gegenüber, kann dieses Potenzial sich entfalten und verwirklichen.